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Monatsandacht Oktober – der Drache

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Wenn ich so an den Herbst denke, dann fallen mir die rot, orangenen Blätter ein, die langsam von den Bäumen fallen und die Gehwege bedecken, die vielen Eicheln und Kastanien, die man sammeln kann – aber auch an Drachen steigen lassen.

Wie gerne habe ich als Kind auf einer Wiese oder am Strand gestanden und habe dem Drachen im Himmel zugeschaut, wie er immer höher und höher stieg und im Wind tanzte. Ein Gefühl der unendlichen Freiheit. In meiner Hand halte ich den Drachen ganz fest, damit er nicht wegfliegt. Die Schnur zieht in meiner Hand und ich gebe dem Drachen noch mehr Schnur – trotzdem behalte ich die Kontrolle über den Drachen – mit ein bisschen Übung kann der Drache sogar Loopings fliegen. Doch plötzlich macht der Drache nicht mehr das, was er soll, sondern er verliert rapide an Höhe und schließlich stürzt er auf den Boden. Hoffentlich ist er nicht kaputt gegangen. Schnell laufe ich zum Drachen und betrachte ihn, zum Glück ist nichts passiert. Ich werfe ihn wieder in die Luft und der Wind trägt in wieder in die Höhe, was für eine Freude.

Der Drache ist für mich ein tolles Symbol für den Glauben. Ich stelle mir vor, ich bin der Drache – vermutlich hat jede und jeder eine andere Vorstellung wie so ein Drachen auszusehen hat, aber das ist auch gut so, denn jede und jeder ist unterschiedlich auf seine Art und Weise.

In der Luft, in meinem Glauben bin ich frei und darf in der Luft ausprobieren, worauf ich Lust habe und wohin mich der Wind trägt. Ich darf so sein, wie ich bin und sollte ich doch mal Fehler machen, so ist das überhaupt nicht schlimm, der Drache fliegt meist trotz Absturz weiter.

Aber so ganz frei ist der Drache auch nicht, am anderen Ende des Drachen hängt eine Schnur. Dem Drachen ist diese Schnur prinzipiell egal, denn zum Fliegen braucht er sie nicht. Aber wir brauchen diese Schnur, damit der Drache nicht wegfliegt und in der Ferne verschwindet und wir ihn dann nicht mehr wiederfinden können. Vermutlich würde der Drache seine Freiheit auch nicht lange genießen können, da der Wind ihn in den nächsten Baum weht, wo er sich verheddert und nicht mehr weiterkommt.

Es braucht also doch irgendwie diese Schnur, damit das Drachensteigenlassen gut funktioniert. In Übertragung auf den Glauben ist die Schnur die Verbindung zu Gott und Gott hält diese Verbindung ganz fest. Sie ist wie eine Art roter Faden, der sich durch mein Leben zieht. Die Schnur ist nicht immer ganz gerade, mal zieht sie nach rechts oder links oder sie verknotet sich, aber die Schnur ist immer da und Gott hält sie fest. Sollte sie doch einmal reißen, so bin ich mir sicher wird Gott dir einen Baum oder einen hohen Mast in den Weg stellen, und dir anbieten, dass du dich an ihm verhedderst und ihr eine neue Verbindung aufbauen könnt. Amen

Diakonin Catarina Krause, Mölln & Breitenfelde