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Monatsandacht – Nicht in meinem Namen!!!

Nicht in meinem Namen!!!

Bevor ihr diese Andacht lest, hört euch bitte das Lied „Nicht in meinem Namen“ von Bodo Wartke an

(hier der Link zum YouTube Video: (https://www.youtube.com/watch?v=1hBVqgxA_Cg).

Zum einen finde ich dieses Lied einfach grandios auf den Punkt gebracht. Ich frage mich oft, was Gott wohl denkt, wenn er auf diese, unsere Welt schaut? Wenn er sieht, wofür man seinen Namen missbraucht hat. Welche Schandtaten in seinem Namen geschehen sind und auch immer noch geschehen.

Aber auch gerade jetzt gewinnt dieses Lied für mich an Aktualität. Seit einigen Jahren gehen Menschen bei uns auf die Straße und fordern die Verteidigung des „christlichen Abendlandes“ – sind dabei aber so gar nicht christlich eingestellt. Im Gegenteil, meiner Meinung nach handeln sie sogar entgegen unserer christlichen Werte. Denn schon im 3. Buch Mose steht im 19.Kapitel Verleumdet einander nicht, und tut nichts, was das Leben anderer gefährdet! Ich bin der HERR. Hege keinen Hass gegenüber deinem Mitmenschen! Wenn du etwas gegen jemanden hast, dann weise ihn offen zurecht, sonst lädst du Schuld auf dich. Räche dich nicht und sei nicht nachtragend! Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst! Ich bin der HERR.“ (3. Mose 19, 17-18). Das steht für mich im krassen Widerspruch dazu, Geflüchtete des Landes zu verweisen, sich selbst als den wichtigsten Menschen auf dieser Welt zu sehen und „Deutschland den Deutschen“ zu rufen. Hege keinen Hass gegen deine Mitmenschen, mehr noch, liebe deinen Mitmenschen. Und meine Mitmenschen sind nicht nur meine Freunde und Familie, meine Mitmenschen sind für mich alle Menschen auf diesem Planeten.

Ich habe mich bisher immer damit getröstet, dass es in Deutschland nur ein paar Spinner (meist) in den östlichen Bundesländern sind, die offen rechtes und fremdenfeindliches Gedankengut hegen, aber nach der Bundestagswahl war ich zutiefst schockiert. 12,6% meiner Mitmenschen waren bereit eine offen rechte Partei zu wählen und haben damit erstmals seit 56 Jahren eine rechte, nationalistische Partei in unseren Bundestag gewählt. Und das gleich als drittstärkste Fraktion!!!

Haben wir denn aus unserer Geschichte nichts gelernt? Haben wir nicht gesehen, was rechtes Gedankengut auslösen kann? Haben wir immer noch nicht verstanden, dass Abschottung und Nationalismus uns nicht weiterbringen?

Ich blicke mit großer Sorge in die Zukunft, denn auch der Blick zu unseren europäischen Nachbarn lässt mich ähnliche Tendenzen erkennen. Und auch am anderen Ende des großen Teiches sitzt ein älterer Herr der unberechenbar ist und definitiv nicht auf Deeskalation aus ist. Wenn eine Atommacht der anderen mit totaler Vernichtung droht, macht mir das Angst. Ist es uns Menschen nicht möglich in Frieden zu leben? Ist es uns nicht möglich ohne Hass und Beleidigungen aus zu kommen? Können wir unsere Mitmenschen überhaupt lieben?

Das beginnt für mich schon im täglichen Umgang,wenn ich höre, was auf den Schulhöfen so abgeht; dass Konfis Angst haben auf Konfifreizeit zu fahren, wenn ein bestimmter Konfi dabei ist; wenn ich sehe wie schwer uns das loben fällt und wie schnell wir kritisieren (und das selten konstruktiv). Sehnen wir Menschen uns nach Krieg und Gewalt? Nach menschenverachtendem Verhalten?

Ich hoffe nicht und mein Glaube sagt mir da auch etwas anderes. Jesus hat es eigentlich wunderbar zusammen gefasst: „Behandelt die Menschen stets so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet. Denn das ist die Botschaft des Gesetzes und der Propheten.“ (Mt. 7, 12). Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand beleidigt werden möchte. Ich kann mir nicht vorstellen, das jemand verletzt werden möchte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der verfolgt wird, keinen Schutz in einem sicheren Land finden möchte. Ich kann mir nicht vorstellen, das jemand aufgrund seiner Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder anderer beliebiger Merkmale ausgegrenzt und stigmatisiert werden möchte.

Eine einfache Regel und sie scheint doch so schwer einzuhalten zu sein. Ich verstehe unseren Glauben so, dass gerade wir in diesen Zeiten diese Regel befolgen sollten. Uns stark machen gegen Rassismus, Nationalismus und Ausgrenzung, aber trotzdem dabei niemanden verletzen. Eben kein Schanzenviertel während des G20 Gipfels, sondern eine Schar Mahatma Gandhis die durch friedlichen Protest etwas erreichen. Es wird Zeit das wir als Christinnen und Christen die Werte des „christlichen Abendlandes“ definieren und nicht eine Horde Spinner, oder eine rechte Partei im Bundestag, deren Handeln eben nicht in Gottes Namen geschieht.

Natürlich können wir allein nicht die Welt verbessern, aber wir können anfangen. Und je mehr dazustoßen, desto mehr gelingt uns. Gebt Hass, Gewalt, Ausgrenzung und Nationalismus keine Chance. Handelt in Gottes Namen, eben so wie Jesus es gepredigt hat: „Behandelt die Menschen stets so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet.“

Einen Segen möchte ich euch dafür gerne noch mitgeben:

Gott, gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Shalom, Inschallah, Amen!

Martin Höft