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Monatsandacht – Grenzgänger

Es war einmal ein Mann, der verhält sich nur allzu menschlich. Er ist eifersüchtig auf seinen älteren Bruder und betrügt die Menschen, die ihn lieben. Er erschleicht sich feige seinen Erfolg, ohne dafür zu arbeiten. Als sein Betrug auffällt, stellt er sich nicht den Konsequenzen, sondern flüchtet, er will die Suppe, die er sich eingebrockt hat nicht auslöffeln. Doch in der Fremde wird auch er zum Opfer, zum Betrogenen. Sogar zum unschuldig Beschuldigten wird er.
Er hat sich immer mit Schläue durch`s Leben geschummelt, er hat viel Schlechtes getan, doch jetzt ist damit Schluss. Er muss zurück zu seinem betrogenen Bruder, und das natürlich mit äußerst gemischten Gefühlen. Jetzt wird er sich seinen Verfehlungen stellen müssen. Jetzt muss er seine ganz persönliche Grenzerfahrung machen. Er ganz allein muss sich dem stellen, muss um die Lösung seiner Probleme und mit sich selbst ringen. Will er so sein wie bisher und sich seine Reichtümer ergaunern? Oder will er sich mit seiner Vergangenheit aussöhnen und ganz neu beginnen?
Es ist Jakob, der hier an seine ganz persönliche Grenze gerät. Er muss sich entscheiden, ob er weiterhin sein oberflächliches, einfaches und betrügerisches Leben führen möchte, oder sich von einem Teil von sich selbst verabschieden möchte. Diese Entscheidungen sind nie leicht, es sind immer Wendepunkte in unserem Leben. Ich erkenne mich auf jeden Fall in Jakob wieder. Ich habe mir auch schon mal eine bessere Note in Mathe erschummelt (in meinem Fall war das eine Drei minus, dummerweise hatte ich auch die Fehler abgeschrieben). Zugeben wollte ich das natürlich nicht, das hätte ja auch eine schlechte Note bedeutet. Zu den eigenen Fehlern zu stehen ist nie besonders leicht. Es sind schon krasse Fehler, die sich der Jakob da geleistet hat. So schlimm muss es bei uns ja gar nicht sein. Vielleicht entscheiden wir uns auch nur dafür, alles ein klein wenig besser machen zu wollen. Etwas freundlicher zu unseren Klassenkameraden zu sein, den Eltern etwas mehr helfen, nicht mehr so viele Lebensmittel verschwenden oder Entscheidungen bewusster treffen. Oder einfach unseren Weg mit Gott etwas ernsthafter nehmen und gestalten.
Zurück zu Jakob: Er ist an einem Wendepunkt angekommen und ringt mit einem Mann, die Bibel lässt offen, um wen es sich handelt und lässt dadurch Interpretationsspielraum. Vielleicht ringt Jakob mit sich selbst, mit seinen eigenen Schattenseiten, vielleicht mit Gott, dem ich ja eigentlich immer begegne, wenn ich mit mir ringe. Gott zeigt Jakob seine Schattenseiten und Grenzen auf, das ist nie leicht und eigentlich fast immer schmerzhaft, sich die eigenen Fehler bewusst zu machen. Und so lässt auch Jakob seinen Gegner nicht einfach so ziehen. Keiner von beiden gewinnt und so schlägt der Mann Jakob auf die Hüfte. Jakob geht verletzt aus diesem Kampf hervor, sein Hinken wird ihn immer daran erinnern. Jakob lässt den Mann nicht gehen, ohne dass dieser ihn segnet. Was für ein tiefes Vertrauen spricht aus dieser Forderung? Das Vertrauen darauf, dass trotz des Ringens und der Blessuren diese Erfahrung zu einem Segen für ihn werden wird. Er ist an seine Grenze gestoßen, hat diese erkannt und überschritten. Das war aber natürlich nicht leicht, sondern wahnsinnig anstrengend, mit viel Kraftaufwand und Schmerzen verbunden. Er muss sich vom Alten verabschieden und sich auf neues einlassen, ein neues Leben beginnt für ihn. Das ist zugleich schmerzhaft und aufregend. Jede Grenzerfahrung zeichnet uns, lässt Schmerz und Narben zurück, aber wie Jakob durch das Hinken seinen Weg langsamer gehen wird, sind auch wir nach solchen Erfahrungen etwas achtsamer und gehen unseren Lebensweg von da an ein klein wenig bewusster.

(Von Maike Peters)