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Königlich kitschig…?!

In dieser Woche kommt für viele – interessanterweise junge – Fans der Kinofilm der erfolgreichen und populären britischen TV-Serie „Downton Abbey“ ins Kino. Ich habe mir in den vergangenen Wochen, als ich einige Tage krank das Sofa hüten musste, die Serie angeschaut und war … fasziniert – und es fällt mir teilweise schwer zu behaupten, warum.

Relativ einfacher Kerninhalt der Serie ist das Leben der englischen Adelsfamilie Crawley, die in ihrem noblen 100-Zimmer-Herrenhaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebt – und ihrer Dienerschaft. Auf den ersten Blick erschien mir das Drehbuch eigentlich relativ platt: In „Dowton Abbey“ wird stets gejagt, spazieren gegangen, Tee getrunken, gegessen, Tee getrunken, umgezogen, gegessen und spazieren gegangen. Dazu tadellose Manieren, geschliffene Dialoge und wunderbare Bonmonts. Die kitschigste Serie seit der Schwarzwaldklinik.

Aber beim genaueren Hinsehen bekommt man über den historischen Bogen – die Geschehnisse des 1. Weltkriegs, die sich entfaltende Emanzipation der Frauen und das Aufbrechen der starren gesellschaftlichen Klassen – einen Blick in das Herz der unterschiedlichsten Protagonisten und deren so völlig fremder Welt (zumindest aus unseren heutigen Augen). Und man scheint zu erahnen, wonach sich wohl auch viele junge Menschen heute wieder sehnen: Einen wohltuend respektvollen und würdevollen Umgang miteinander.

Der Schauspieler Hugh Bonville, als Familienoberhaupt Robert Crawley im Einsatz, drückt es so aus: „Ich schätze zunehmend den Sinn für Höflichkeit und Toleranz, der hier vermittelt wird. Den scheinen wir nämlich im öffentlichen Diskurs dieser Tage aus dem Fenster zu werfen. Wenn man führende Politiker hat, die in den sozialen Medien öffentlich herumpöbeln, was ist das für ein Beispiel für die junge Generation?“

Ich hoffe, dass wir ein solches Leben eines Tages nicht nur noch im Kino bewundern können, sondern auch auf unseren Straßen, in unseren Schulklassen und Familien und in den Social Media miteinander leben! Und dazu brauchen wir uns weder in spekakuläre Ballkleider oder Smokings zu werfen, sondern uns einfach nur an die Botschaft unseres Taufkleides erinnern (falls wir eines getragen haben – falls nicht, trotzdem angemessen gekleidet!): In unserer Taufe haben wir den Namen und das Leben Jesu Christi „angezogen“, wir sind hineingenommen in die Königskindschaft Gottes!

Und diese äußert sich zum einen in einer fröhlichen, hoffnungsvollen, toleranten und einladenden Lebensweise, deren wahre Schönheit keine feinen Kleider oder Profilbilder benötigt, sondern von innen her strahlt. Und zum anderen verheißt sie uns auch, wie Jesus selbst, der „Himmelskönig“ (wie man ihn früher und teilweise auch heute noch nennt) uns liebevoll und königlich-gnädig ansieht.

Eine Geschichte von Ralf Johnen bringt es auf den Punkt:

„Ein Fürst gibt ein großes Fest. Viele wichtige Menschen sind eingeladen. Es beginnt zu regnen und vor der Toreinfahrt bildet sich eine große Pfütze. Als ein vornehm gekleideter Herr aus seinem Wagen steigt, rutscht er aus und fällt der Länge nach in die Pfütze. Mühsam erhebt er sich, von oben bis unten beschmutzt und nass und sehr geknickt. „So kann ich micht auf dem Fest sehen lassen“, denkt er. Einige Gäste machen schön spöttische und bemitleidenswerte Bemerkungen. Ein Diener meldet den Vorfall dem Fürsten. Dieser eilt sofort hinaus und erreicht den Gast gerade noch, als zu zurückfahren will. „Bleib doch, mir macht der Schmutz an deinen Kleidern nichts aus. Ich habe schließlich Dich und nicht deine saubere Kleidung erwartet“, sagt der Fürst. Doch der Gast hat Angst vor den Blicken und dem Getuschel der anderen Gäste. Da lässt sich der Fürst mit seinen kostbaren Kleidern in dieselbe Pfütze fallen, so dass auch er von oben bis unten voller Dreck ist. Er nimmt den Gast an die Hand, und beiden gehen in den festlich geschmückten Saal.“

Diakon Tobias Knöller, Bildungsreferent

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