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#ersteLiebe vs. Zukunftsangst

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Gestern wurde eine Studie der Universität Freiburg veröffentlicht, wonach die beiden großen Kirchen in Deutschland – die römisch-katholische und die evangelischen Kirchen – bis 2060 ungefähr 50 % der Mitglieder sowie einen ebenso großen Teil ihrer Finanzkräfte verlieren wird. Der im gleichen Atemzug zu nennende Peronalmangel gibt vielen Theolog*innen und kirchlichen Mitarbeitenden Grund zur Sorge – teilweise ist sogar von Angst die Rede.

Auch ich finde das bedenklich. Allerdings weniger die quantitativen Prognosen, sondern vielmehr die ängstlichen Gefühle, teilweise schon Panikmache, die ich z. B. in den „sozialen Netzwerken“ von vielen Kirchenvertreter*innen direkt oder indirekt wahrnehme.

Fakt ist: Die Kirchen als Institutionen, wie wir sie derzeit kennen, werden sich verändern. Allerdings sehe ich darin kein Problem, sondern eher eine Chance; eine Möglichkeit, sich im Sinne einer „Reformation im 21. Jahrhundert“ wieder mehr auf unsere Kernaufgabe zu konzentrieren: die Verkündigung der frohen Botschaft, der guten Nachricht, das Evangelium von der Liebe Gottes zu den Menschen in Jesus Christus! Das ist unser christliches Profil, als „Salz und Licht der Erde“ (vgl. Mt. 5,13-16).

Vor wenigen Tagen haben wir mit einem Großteil unserer Diakon*innen und Jugend-Mitarbeitenden über eben diese Konkretisierung nachgedacht (siehe Bild). Eine evangelische, eine aus dem Evangelium lebende Kirche und ihre Jugendarbeit hat ihre Größe darin, dass sie #angstbefreit aus dem österlichen Licht der Auferstehung (vgl. Dietrich Bonhoeffer: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln!“) sowie aus der pfingstlichen Liebe lebt, die Gott in Form des Heiligen Geistes als Tröster, Beistand und Kraft geschenkt hat!

Statt Sorge vor Zukunftsveränderungen zu haben, die schon immer zum Wesen der Kirche dazugehörten, sollte die Be-Geisterung von unseren Gesichtern ausstrahlen: Eine authentische Herzensfreude, die ihre Kraft aus der #erstenLiebe zieht, also den Moment, als wir die Liebe und Gnade Gottes das erste Mal im Herzen gespürt und uns entschlossen haben, Ihm nachzufolgen!

Kirche bedeutet zunächst einmal lebendige Gemeinschaft und nicht verwaltete Institution. Und wir haben es selber in der Hand, ob wir als Minderheit bedeutungslos werden oder attraktiv bleiben für Glaubende und Suchende, für Jugendliche und junge Erwachsene, die mal vorbeischauen und wieder gehen. Es wird vom Mut unserer Kirchen abhängen, fröhlich loszulassen, was ihnen zu groß geworden ist, und das Besitzstandsdenken zu überwinden. Es wird von unserer authentischen Glaubwürdigkeit abhängen, wenn wir auch ohne Quasiverbeamtung von Gott erzählen, dem die Liebe stärker ist als der Hass und Gnade wichtiger als die Macht.

Deswegen: Bringen wir die Menschen, die wir lieben mit Jesus Christus in Verbindung, dem wir in Liebe folgen (John Ortberg). Furcht ist nicht in dieser Liebe (vgl. 1. Joh. 4,18)!

 

Diakon Tobias Knöller, Bildungsreferent