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Buß- und Bettag 2020 – Praying for Future

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In meiner Jugend und auch noch zu Beginn meiner Arbeit als Diakon in der Jugendarbeit war der Buß- und Bettag noch Feiertag. Ganz ähnlich wie bei „Fridays for Future“ gingen wir von der Evangelischen Jugend damals zusammen auf die Straße, um an Mahnmalen, Konsumtempeln und Brennpunkten Aufmerksamkeit zu erregen und Zeichen zu setzen. Zahlenmäßig fühlte sich das schon nach Heaven-festival an. Irgendwann wurde der Feiertag beim vergeblichen Versuch, eine eher wirkungslose Pflegeversicherung zu finanzieren, von der damaligen Bundesregierung gekippt und die Bewegung verebbte langsam. Offensichtlich schien der Buß- und Bettag nicht mehr zeitgemäß. Beten oder sogar über seine eigenen Fehler nachzudenken brauchte nicht mehr so viel Öffentlichkeit, so viel freie Zeit.

Wieviel Gelegenheit zum Beten geben wir uns?

Ich sitze zusammen mit einer Teamerin im Kreis von 18 Konfirmandinnen und Konfirmanden und bitte die Jugendlichen, den Satz „Beten ist für mich…“ zu komplettieren.

„Beten ist für mich etwas, das man nur in der Kirche macht und Sonntag habe ich endlich meine 20 mal voll!“ sagt ein cooler Konfirmand. Sein Kumpel ergänzt: „Beten ist für mich nutzlos. Da antwortet ja sowieso niemand!“ Nach einer weiteren ähnlichen Aussage scheint sich die Gruppenmeinung in diese Richtung einzupendeln.

Dann ist die Reihe an einer eher schüchternen Konfirmandin. Ungewohnt sicher sagt sie: „Beten ist für mich wie Reden mit einem guten Freund. Gott kann ich alles sagen, auch Dinge, die ich sonst keinem anvertrauen mag.“ Ihre Nachbarin stimmt zu: „Wenn ich Gebete vor Gott bringe, spreche ich Sachen aus und kann mich anschließend besser entscheiden!“ Alle anschließenden Konfirmanden trauen sich, positive Effekte des Betens zu benennen. Mir selber fällt bei der Gelegenheit wieder auf, dass Beten für mich eine Übung ist, auch Dinge zu bedenken, für die ich dankbar bin.

Danach folgen Stationen zu verschiedenen Anlässen des Betens. Wir haben eine Klagemauer aufgebaut, in die die Jugendlichen ähnlich wie beim Original in Jerusalem Zettel stecken können, auf denen sie notiert haben, was sie im Persönlichen oder im Weltgeschehen traurig oder zornig macht. Anschließend folgt eine Station mit Sternen der Hoffnung und der Sehnsucht, eine Station, an der man nach Genuss eines Merci-Schokoriegels sagen kann, wofür man dankbar ist und eine Station, an der man einen Segensspruch aussuchen und weitergeben kann. Die Konfirmanden arbeiten ungewohnt leise, sind konzentriert bei der Sache. Das ausgesprochene Highlight für fast alle Jugendlichen ist die Station der Sündenvergebung. Auf einer Spiegelfliese betrachtet man sich selbst und kann mit einem (non-permanent) Filzschreiber darauf notieren, was man an eigenen Verfehlungen vor Gott bringen möchte. Die eigentliche Station ist mit Kreuz und Kerzenleuchtern schön gestaltet und hat auch ein Wasserbecken. Im Vertrauen darauf, dass uns durch die Taufe unsere Sünden abgewaschen werden und Gott uns vergibt, darf sich jeder einzelne Konfirmand so viel Zeit wie nötig nehmen, um seinen Spiegel im Wasser zu versenken. Unglaublich eindrücklich ist es, wenn sich das, was einen schon lange belastet und verfolgt im Kontakt mit dem Wasser langsam auflöst und dann ganz verschwindet.

Natürlich wirken die Stationen besonders durch die schöne Ausgestaltung. Die Konfirmanden bemerkten, dass wir uns Mühe für sie gemacht hatten und konnten sich auf die Übung einlassen. Letztlich geht es in der Sache vor allem darum, sich selbst Gelegenheit zum Beten zu geben.

Macht Euch doch die (kleine) Mühe für Euch selbst! Ich denke, es lohnt sich.

Diakon Mark Heming, Ratzeburg