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Andacht: „Wo ist dein Bruder / deine Schwester?“

Mentor für viele junge Männer - George Floyd: «Mann des Friedens ...

Bild: George Floyd (mit einer Bibel in der Hand) und seine Gemeindemitglieder (Bild: Twitter / livenet.ch)

 

Vielleicht geht es Euch ja so, wie mir: Der gewaltsame Tod von George Floyd, der momentan sehr oft durch die Medien geht, beschäftigt mich. Ich habe einen Artikel über ihn gelesen, der sein Wirken in seiner Gemeinde beschreibt.

Floyd war in seiner Gemeinde wohl das, was bei uns die Diakone sind: Er hat dort versucht, die in seinem Stadtteil herrschende Gewalt zu durchbrechen und war dort sein ganzes Leben aktiv. Er hat es geschafft, durch den Bezug zu Gott zu vermitteln, dass es andere Wege als die Gewalt gibt. Er hat das Evangelium an einen Ort gebracht, wo die Menschen nach etwas gesucht haben: Nach einem Weg, ihrem Alltag auszublenden oder auch einfach nach einem Ziel, um weiter zu machen. Nicht wenige der jungen Männer, mit denen Floyd zusammenarbeitete, nannten ihn „Bruder“ – als Bruder im Glauben, als auch im Sinne eines Ansprechpartners und Bezugsperson.

George Floyd wurde in Minneapolis auf offener Straße ermordet. An diesem Tag hat nicht nur Floyds Bruder einen Bruder verloren, sondern seine gesamte Gemeinde hat einen Bruder verloren. Wenn man es so ausdrücken will, hat jeder Mensch einen Bruder verloren. So wie Kain in der Bibel Abel erschlagen hat, so hat der Polizist seinen Bruder erschlagen.

Im 1. Mose 4.9+10 heißt es: „Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“

Die Stimme von George Floyd wird auch zum Himmel geschrien haben.

Für wen sind wir eigentlich Brüder und Schwestern?

Mein kleiner Bruder ist mein biologischer Bruder, meine besten Freunde sind aber auch Brüder und Schwestern, weil ich mit ihnen so einiges erlebt und durchgestanden habe. Geschwister im Glauben habe ich auch, in meiner Gemeinde und in allen Christinnen und Christen.

Aber was macht den Kassierer, die Verkäuferin in der Eisdiele oder den alten Mann denn zu meinen Geschwistern? Oder anders gefragt: Für wen sind wir Brüder und Schwestern? Und: Was tun wir unseren Mitmenschen, unseren Brüdern und Schwester, oftmals sogar unbewusst an, in dem wir ihre Hilferufe nicht wahrnehmen oder sogar ignorieren?

Eine Tragödie wie die von George Floyd hätte wohl nicht stattgefunden, wenn wir alle Menschen, wie unsere Geschwister behandeln würden und ihren Stimmen Gehör schenken. Und zwar unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität oder Hautfarbe. Wenn wir uns eben immer wieder nur bewusst machen, wer unsere Brüder und Schwestern sind.

Nils Heise, Bundesfreiwilligendienst