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Andacht: Gottes Zeichen

Ich habe mich gefreut, als ich am Ostermorgen zum Bäcker gegangen bin. Vor der Tür zum Bäcker stand mit gelber Kreide gemalt „Der Herr ist auferstanden!“ Und erst auf dem Rückweg ist es mir aufgefallen, der ganze Ort ist voll mit Bibelzitaten; mit Kreide auf Gehwege, Mauern und Häuser gemalt. Und das ist nicht nur bei mir im Ort so, sondern überall sind Menschen dem Aufruf zum stillen Flashmob gefolgt. Es tat mir richtig gut, diesen Zuspruch zu lesen und ich habe mich gefreut, dass sich die frohe Botschaft nicht von einem Gottesdienstverbot aufhalten lässt. Es war für jeden sichtbar, auch für Menschen die Ostern sonst nicht in die Kirche gegangen wären. Das hat mir wieder einmal deutlich gemacht: Gott findet immer seinen Weg zu uns, egal wie schwierig die äußeren Umstände sind.

Schön fand ich auch den Weg, wie mich die Osterbotschaft erreicht hat: Kreidemalereien sind groß, bunt, gut lesbar und ohne etwas zu zerstören, kann mit Kreide überall gemalt werden. Ein Regen, Menschen, die über die Kreide laufen, Autos, die über die Kreide fahren und der Schriftzug ist spurlos verschwunden. Kein Vandalismus und trotzdem eine klare, farbenfrohe und deutliche Botschaft. Normalerweise ist so ein Kreideschriftzug für wenige Tage und manchmal auch nur Stunden lesbar. Aber auch heute noch, drei Wochen nach Ostern, sehe ich einige Schriftzüge an Mauern und auch auf dem Boden. Für mich ein klares Zeichen Gottes, dass uns die Osterbotschaft auch über Ostern hinaus erreichen soll. Gott ist bei uns und will uns Mut und Kraft zusprechen. Auch in Krisenzeiten ist er da und segnet uns.

Für mich steckt darin aber noch eine zweite, versteckte Botschaft. Eine Botschaft, die sich nicht auf den ersten Blick erschließt: Der Grund, wieso wir die Schrift noch lesen können liegt darin, dass es im April praktisch nicht geregnet hat. Die Temperaturen waren in diesem Jahr durchweg zu hoch und der Niederschlag im März und April viel zu niedrig. Der Klimawandel kommt nicht, er ist schon längst da. Bei uns ist es zu warm und zu trocken, und das schon seit Jahren. Weltweit nehmen extreme Wetterphänomene zu. Stürme werden stärker, Niederschläge heftiger, Trockenzeiten extremer.

Die Pandemie, die wir gerade durchlaufen mit vielen Leidenden ist furchtbar und ich finde es absolut richtig, wie wir gerade unser Möglichstes versuchen, um Menschenleben zu retten. Gleichfalls würde ich mir nur ansatzweise dieses Engagement beim Klimaschutz wünschen. Denn wenn unsere Erde kaputt ist, haben wir alle keinen Ort mehr zum Leben.

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ 1. Mose, 1, 27-28

Es war Gott, der uns diese Erde geschenkt hat. Und das mit einem klaren Auftrag verbunden: Wir sollen „herrschen“ über die Erde. Und einen guten Herrscher zeichnet nicht aus, dass er sich ausschließlich selbst bereichert und die ihm anvertrauten ausbeutet. Einen guten Herrscher zeichnet aus, dass er seine Untertanen im Blick hat, sich um sie kümmert und schaut, dass es ihnen gut geht. So wie Gott sich um uns sorgt, so sollen wir uns um die Erde sorgen. Lasst uns zusammen gute Herrscher*innen sein. Lasst uns zusammen Acht geben auf unsere Erde, denn wir haben nur diese eine Erde.

Und so sehe ich beide Botschaften der Kreide auf der Straße: Gott lässt uns nicht allein und findet auch in der Krise Wege uns zu erreichen. Jesus ist auferstanden und ist bei uns, auch heute. Und die zweite Botschaft ist: Es gibt es eine viel größere Krise die dringend unser Engagement erfordert. 

Lasst uns Gottes #Liebeweitergeben an unsere Mitmenschen und unseren Planeten. Bleibt gesund und behütet!

Diakon Martin Höft