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Andacht: Die Liebe zum Menschen!

Bild: time.com

Vor einigen Tagen rief mich eine ehemalige Kollegin an. Sie war dabei ein Thema für ihre Abschlussarbeit zu suchen und wollte wissen, ob ich ihr ein paar Einblicke in meine Motivation geben könnte. Selbst als Muslima im Iran aufgewachsen, war es für sie zwar vollkommen klar, dass die gelebte Nächstenliebe in ihrer Jugend ihr Motivator war, um nach ihrer Flucht nach Deutschland Soziale Arbeit zu studieren. Aber sie wollte wissen, ob es bei mir als Christin auch diese Liebe zu den Mitmenschen war, die mich zu meiner Berufswahl motiviert hat.

Am Anfang musste ich fast lachen. Wenn ich an den christlichen Glauben denke, ist Nächstenliebe so ziemlich das erste, was mir einfällt. Wie war es möglich, dass mich jemand fragte, ob die Liebe zu den Menschen Motivation für soziales Engagement sei? Für mich war das doch so selbstverständlich! Ich hatte in meiner Jugend durch großartige Menschen gelernt, dass Nächstenliebe so wichtig für alles und jeden ist. Nur, weil ich glaube, dass wir alle Kinder Gottes sind, engagiere ich mich, tue etwas für meine Überzeugung und gegen Ungerechtigkeiten… Von mir bekam meine Kollegin also ein deutliches „JA, auf jeden Fall“. Sie war zufrieden und schreibt jetzt vermutlich an einer Bachelorthesis mit dem Titel.

In ihrer Frage entdeckte ich aber auch eine Aussage, eine Selbstoffenbarung, wenn man so will. Meine Kollegin hatte mir – unbewusst vermute ich – mitgeteilt, dass sie bereits in ihrer Jugend den Islam als liebende Religion kennen gelernt hatte. Also genau so wie ich das Christentum. Und wenn man sich in der Welt umsieht, dann scheint das ein gemeinsamer Nenner aller Weltreligionen zu sein. Die buddhistischen Tugenden sprechen da eine genau so deutliche Sprache wie das Gebot der Nächstenliebe im Alte Testament, was die Jüdinnen und Juden als Tora kennen. Und auch die Armenküchen in den hinduistischen Tempeln zeigen eine Art der tätigen Nächstenliebe und Barmherzigkeit.

Ich habe noch ein bisschen darauf herum gedacht und kam zu dem Schluss, dass, verkürzt gesagt, sich um andere zu sorgen und zu helfen anscheinend eine urmenschliche Eigenschaft ist. Der Mensch als soziales Wesen ist bereit, uneigennützig zu sein. Doch taucht nun dieser Altruismus in allen Weltreligionen auf, weil wir Menschen nun mal so sind? Oder sind wir so, weil uns Gott so erschaffen hat und darum steht es auch in den Texten und Überlieferungen?

Und wenn die Liebe uns Menschen eingeboren ist, warum gibt es dann gerade jetzt so unwahrscheinlich viel Hass in der Welt? Hass auf Menschen anderer Hautfarbe, Herkunft, Kultur oder sexueller Neigung. Hass auf Menschen mit anderen politischen Überzeugungen. Hass auf systemrepräsentierende Menschen. Die Medien und Nachrichten sind voll von hassmotivierten Taten. Sie alle haben etwas gemeinsam: Hass zerstört. Hass ist rein destruktiv. Hass kann nichts von Dauer erschaffen. Hass nährt sich aus der Angst des Menschen. Die Angst als Brücke von Liebe zu Hass macht das ganze zwar verständlich, aber nicht sonderlich schön. Bedeutet es, dass ich jedes Mal, wenn ich Angst habe, anfange zu hassen?

Ich sage nein. Und ich sage das, weil ich nicht nur lieben kann, sondern auch Glauben und Hoffnung habe. Ich glaube fest daran, dass wir als Gottes Kinder geschaffen sind, um einander zu lieben. Und ich hoffe mit jeder schlechten Nachricht mehr darauf, dass wir eines Tages all den Hass überwinden und die Angst bannen können. Und ich vertraue darauf, dass Gott uns Menschen so sehr liebt, dass er uns nicht fallen lassen wird, egal wie viel Mist wir auch anstellen. Es ist nie zu spät, einfach nochmal von vorne anzufangen.

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Korinther 13,13)

Eure Diakonin Tanja Derlin-Schröder